„PITT hat zum Ziel, sich dem natürlichen Selbstheilungsversuch der Patienten anzupassen und diesen gezielt zu fördern.“
(Reddemann, L. (2007). Psychodynamisch Imaginative Traumatherapie. PITT – Das Manual.)
Die Psychodynamisch-Imaginative Traumatherapie (PITT) ist eine Therapieform, die von Prof. Dr. Luise Reddemann in den letzten Jahrzehnten entwickelt wurde. Es handelt sich um ein Verfahren zur Behandlung verschiedener Formen von Traumatisierungen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf der Arbeit mit einfach sowie komplex traumatisierten Menschen.
Die Patientinnen und Patienten werden von Beginn an aktiv in den therapeutischen Prozess einbezogen. Dazu gehört auch die Vermittlung von störungsspezifischem Wissen: Was ist ein Trauma? Wie äußert es sich? Was geschieht in bestimmten Situationen im Körper und in der Psyche? Warum reagieren Menschen manchmal so, wie sie reagieren? Und wie kann man lernen, mit diesen Erfahrungen und den daraus entstehenden Belastungen umzugehen – beispielsweise mit starken Schuld- oder Schamgefühlen?
Ein besonderer Schwerpunkt der Therapie liegt auf der sogenannten Ich-Stärkung. Die Patientin oder der Patient wird dabei als aktiver Partner im therapeutischen Prozess verstanden. Ziel ist es, die eigene Handlungsfähigkeit zu stärken, sodass Betroffene ihr Leben und ihr persönliches Wohlbefinden zunehmend wieder selbstbestimmt gestalten können.
Von Beginn an werden außerdem Fähigkeiten zur Selbstberuhigung, Selbströstung und Selbstakzeptanz vermittelt. Hierzu gehören Entspannungsübungen, Imaginationsübungen (zum Beispiel angenehme innere Bilder oder Erinnerungen) sowie traumaspezifische Techniken wie der innere sichere Ort, die Kinotechnik, die Beobachtertechnik oder die Safetechnik.
Ergänzend können auch Methoden aus dem EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing) oder der Ego-State-Arbeit in die Behandlung integriert werden. Diese Ansätze können häufig dazu beitragen, Symptome relativ früh zu lindern. Dazu zählen unter anderem starke Gefühlsüberflutungen, Angstzustände und Panikattacken, belastende Erinnerungsbilder, Dissoziationen (das Gefühl, nicht ganz im Hier und Jetzt zu sein, oder seinen Körper nicht voll integriert wahrzunehmen), Albträume, starke Wutgefühle oder auch Suchtverhalten.
Darüber hinaus können emotionsregulierende Techniken aus der Prozess- und Embodimentfokussierten Psychologie (PEP) eingesetzt werden.
Im therapeutischen Prozess geht es jedoch nicht darum, belastende Erfahrungen einfach „wegzumachen“. Ein solcher Ansatz kann den Heilungsprozess sogar behindern. Vielmehr geht es darum, die eigenen Verletzungen als Teil der persönlichen Lebensgeschichte zu verstehen und anzunehmen – und ihnen einen angemessenen Platz im eigenen inneren Erleben und im heutigen Leben zu geben.
Gerade weil traumatische Erfahrungen häufig im Kontext von Beziehungen zu wichtigen Bezugspersonen entstanden sind, spielt auch die Möglichkeit neuer korrigierender Beziehungserfahrungen eine wichtige Rolle im therapeutischen Prozess.
Bei komplex traumatisierten Menschen liegt häufig nicht nur ein einzelnes Ereignis vor, sondern eine längere Kette belastender oder traumatischer Beziehungserfahrungen. Dies erfordert oftmals ein besonders behutsames und spezialisiertes therapeutisches Vorgehen, das mit klassischen psychotherapeutischen Ansätzen nicht immer ausreichend erreicht werden kann.
Viele Betroffene haben daher bereits eine längere Leidens- und Behandlungsgeschichte hinter sich. Nicht selten wurden im Laufe der Zeit mehrere Diagnosen gestellt, und frühere Therapien brachten nur begrenzte Verbesserungen oder wurden als nicht hilfreich erlebt. Dies kann mit zusätzlichen Belastungen und auch mit Erfahrungen von Stigmatisierung einhergehen.